Nahverkehr in Leipzig. Foto (CC-BY-SA): Lukas Gensel

Mehr wissen, besser planen, klüger entscheiden: Grundlagen für Akzeptanzkommunikation in Leipzig. Ein neuer Ansatz.

Vor der CORONA-Krise war Leipzig einer der wachstumsstärksten Standorte in Deutschland. Dies bedeutet, dass Standortqualität weiter verbessert und die Infrastruktur ausgebaut werden müssen. Die kommunalen Unternehmen, insbesondere die in der L-Gruppe zusammengefassten Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Wasserwerke, spielen dabei eine zentrale Rolle.

Um diese Aufgabe optimal erfüllen zu können müssen mehrere Faktoren berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden. Dazu gehören die gute Kenntnis des Standorts und der jeweiligen Projekträume, die projektspezifisch angemessene Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesse sowie eine gute und transparente Informationspolitik für die unterschiedlichen Zielgruppen.

Mit einem Projekt, das die L-Gruppe mit dem, auf die Betreuung akzeptanzkritischer Projekte spezialisierten, Beratungsunternehmen Hitschfeld Büro für strategische Beratung durchführte, sollte zunächst eine systematische Analyse von Meinungen, Vorbehalten, Wünschen und Erwartungen in der Bevölkerung allgemein und bei relevanten Stakeholdern in Bezug auf den Infrastrukturausbau am Standort und die Unternehmen der L-Gruppe durchgeführt werden.

Gleichzeitig wurde das Stadtgebiet mikrogeografisch untersucht und die gewonnenen Erkenntnisse aufeinander bezogen und miteinander verknüpft werden.

Auf diese Weise wurde ein „Grundlagenatlas“ erarbeitet, der für die Vorbereitung, Durchführung und Evaluierung einzelner Projekte herangezogen und projektspezifisch vertieft werden kann.

Der Untersuchungsansatz

Um ein breites und mittelfristig belastbares Datenfundament zu erhalten, wurden unterschiedliche Analyseinstrumente gleichzeitig eingesetzt und miteinander verknüpft.

Dazu gehören leitfadengestützte Tiefeninterviews mit ausgewählten Stakeholdern, eine repräsentative Bevölkerungsumfrage mit 3000 Befragten, Medienanalysen mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten und eine Akteursanalyse. Ein weiterer, wichtiger Baustein waren mikrogeografische Analysen des Projektraums.

Mikrogeografie

Mikrogeografische Daten können genutzt werden, die Lebenssituation von Menschen und ihr Umfeld gerade auch in kleinteiligen städtischen oder ländlichen Räumen differenziert zu erfassen. Sie bieten interessante Möglichkeiten, die Lebenssituationen bis auf die Ebene von Baublöcken mit Themen und Fragestellungen zu verknüpfen, die sich aus der Spezifik des Projektes ergeben.

Neben den Informationen, mit denen die Menschen im Projektgebiet beschrieben werden können (z. B. durch Lebenswelten und Wertevorstellungen anhand von Milieubetrachtungen, Sozialstruktur, Kaufkraft oder Kommunikationsverhalten) können auch Daten zur Wirtschaft vor Ort (Gewerbebesatz und Art und Größe von Unternehmen im Betrachtungsgebiet), der Struktur der Bebauung und Nutzung der Immobilien (selbst genutztes Wohneigentum oder Miete) aber auch zum Mobilitäts- und Verbrauchsverhalten erhoben werden.

Die Mikrogeografie ermöglicht es, diese Aspekte auch mit Raumbezug zu analysieren und ausgewählte Teilgebiete sowohl an sich als auch im Kontrast zum gesamten Stadtgebiet oder anderen Teilräumen zu verstehen.

Erste Ergebnisse

Die vorliegenden Ergebnisse sind umfangreich und haben Auswirkungen auf viele Bereiche der Unternehmensgruppe. Die Auswertung und Operationalisierung läuft zurzeit.

Eine erste, prototypische Vertiefung dieser Grundlagen in einem zentrumsnahen Quartier zeigt schon heute die neue Qualität der Informationsbasis und die vielfältigen Möglichkeiten, die sich daraus für die Unternehmen der L-Gruppe und ggf. auch Dritte ergeben.

Für das ausgewählte Quartier stehen Informationen zu Fläche, Einwohnern, Zahl der Haushalte, Eigentumsquote, PKW -Dichte und Anzahl auch im Vergleich zur Gesamtstadt zur Verfügung. Darüber hinaus sind – u.a. – die prägenden Milieus, die Altersverteilung, die Medienaffinität der Bewohner, die Werbeverweigererquote, die Zahl und Größe der Unternehmen im Quartier sowie die Meinungen und Ansichten der Bewohner zu wesentlichen, den Ausbau der Infrastruktur und die kommunalen Unternehmen betreffenden Themen – auch im Kontrast zum restlichen Stadtgebiet oder anderen Quartieren – bekannt.  

Die Verknüpfung dieser Informationen ermöglicht nicht nur eine neue Qualität bei der Planung und Durchführung von Infrastrukturvorhaben. Sie wird eine Verbesserung der Kommunikations- und Partizipationspolitik der L-Gruppe ermöglichen. Darüber hinaus sind die Informationen geeignet, als Input für zielgruppengenaue Produktentwicklungen und Marketingmaßnahmen zu dienen.

Natürlich können diese Daten und Informationen in geeigneter und ggf. aufbereiteter Form Dritten nützlich sein.  

Uwe Hitschfeld  im Oktober 2020

Uwe Hitschfeld, Diplom-Ingenieur, ist Geschäftsführender Gesellschafter von Hitschfeld Büro für strategische Beratung GmbH, Leipzig.

Ein umfassenderer Beitrag zum Thema ist erschienen in der ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft und abrufbar unter: https://www.hitschfeld.de/artikel-in-der-zfk-mehr-wissen-klueger-entscheiden/

Abbildungen: Beitragsbild (CC-BY-SA): Lukas Gensel; Schematische Darstellung und Portraitfoto (C): Hitschfeld Büro für strategische Beratung.