„Kommunikation ohne Kommunikatoren“: Aufsatz im prmagazin schließt mit Appell an das Berufsfeld

Im neuen prmagazin (05/2020) ist jetzt unter der Überschrift „Kommunikation ohne Kommunikatoren“ ein Beitrag zu Qualität und Anbietern von Bürgerbeteiligung erschienen. Er bringt Kernergebnisse aus dem Deutschen Akzeptanzatlas auf den Punkt. Der Text schließt mit einem Appell an das Berufsfeld, die kommunikationsethische Dimension der Befunde nicht zu vernachlässigen und sich im Kontext von Beteiligung kritisch mit dem immer wieder gemachten Versprechen der Ergebnisoffenheit von Bürgerbeteiligung auseinanderzusetzen:

„Der Blick auf die in der öffentlichen Diskussion häufigsten Anforderungen zeigt, dass Bürgerbeteiligung in Deutschland vielfach nicht über das Mindestmaß, Hinweise abgeben zu können, hinaus geht. Besonders so zentrale Erwartungen wie Frühzeitigkeit und Transparenz werden überwiegend als nicht gegeben bewertet oder die Vorhabenträger machen auf die Zukunft bezogene Versprechungen. Dies ist insbesondere beim zweithäufigsten Kriterium der Ergebnisoffenheit der Fall. Hier liegt ein Widerspruch in der hohen Zahl der auf die Zukunft gerichteten Versprechungen der Vorhabenträger, die Verfahren ergebnisoffen anzulegen und der dann tatsächlich berichteten Implementierung von Vorschlägen. Der Schluss liegt nahe, dass es sich hierbei um ein Versprechen handelt, das gegenüber den Beteiligten gemacht wird, um den Konflikt kurzfristig zu befrieden, aber letztlich nicht wahrhaftig ist, weil es nicht eingehalten wird. Genau in diesem falschen Versprechen liegt das Problem, nicht in der fehlenden Ergebnisoffenheit. Denn diese kann in Beteiligungsprozessen nur sehr selten und im Rahmen strategischer Kommunikation so gut wie nie gegeben sein. Zumeist steht, auch wenn die öffentliche Hand ein solches Verfahren organisiert, das konkrete Interesse hinter Beteiligungsverfahren, Projekte zu realisieren. Dies ist nicht illegitim, da viele Projekte ohnehin an anderer Stelle bereits legitimiert sind, wie etwa der Übertragungsnetzausbau, der auf Beschluss des Bundestages erfolgt. Viele Projekte lassen sich ohnehin nicht lokal legitimieren, weil sie überregionalen Einfluss haben (Bahntrassen, Flughäfen etc.). Dennoch ist es wichtig, lokale Expertise zu nutzen, um Projekte auch im Interesse der lokalen Communitys auszugestalten und damit akzeptabel zu machen. Die vielfach geforderte Transparenz muss also nicht nur auf den Inhalt der Projekte bezogen werden, sondern Transparenz muss auch in Bezug auf das Verfahren gegeben sein. Aus kommunikationsethischer Perspektive sollten Anbieter eines Beteiligungsprozesses (z.B. Vorhabenträger mit beauftragten Agenturen) Transparenz über das Ausmaß des Einflusses herstellen, der Teilnehmern zugestanden wird – insbesondere gegenüber den unmittelbar zu beteiligenden Stakeholdern. Der Korridor, innerhalb dessen mitgestaltet werden kann, muss klar sein, weil ansonsten Beteiligte über den ausübbaren Einfluss getäuscht werden – gerade dann, wenn Ergebnisoffenheit versprochen wird.“ (S. 70)

Der vollständige Beitrag findet sich im prmagazin 05/2020, S. 64-71. Darin enthalten sind umfassende Zahlen zur Bewertung von Bürgerbeteiligung in der Öffentlichkeit auf Basis einer inhaltsanalytischen Untersuchung von 130 Tages- und Wochenzeitungen sowie zu Branchenherkunft, Mitarbeiterstruktur sowie dem Leistungsspektrum sämtlicher Anbieter im Feld. Die Studie entstand innerhalb eines Forschungsseminars im Master Corporate Communication Management an der Hochschule Pforzheim und in Kooperation mit dem Arbeitskreis Akzeptanzkommunikation der Deutschen Public Relations Gesellschaft DPRG e.V.