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Infrage stellen als Normalzustand

Akzeptanzdiskurse in der modernen Gegenwartsgesellschaft

Die Frage gesellschaftlicher Akzeptanz ist eine der großen Fragen unserer Zeit. War Akzeptanz vor Jahrzehnten eine schier endlose Ressource, einer nach Wohlstand für alle strebenden bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft, wird sie heute eine zentrale Zielstellung für Kommunikation und Management von Projekten in Wirtschaft und Politik.

Die Debatten um neue Technologien und große Infrastrukturprojekte zeigen, mit welcher Vehemenz Konflikte in unserer Gegenwartsgesellschaft zu Tage treten können. Um diese Auseinandersetzungen zu verstehen, müssen zentrale gesellschaftliche Entwicklungstendenzen in den Blick genommen werden.

Spätestens dieser Tage wird greifbar, was der Soziologe Ulrich Beck bereits 1993 unter dem Schlagwort der Subpolitik zusammenfasste: Bürger sind nicht mehr bereit, die Entscheidungen der alten Autoritäten vorbehaltlos zu akzeptieren. Sie stellen infrage und fühlen sich von den alten Institutionen nicht mehr oder kaum noch vertreten. Bei konkreter Betroffenheit, die für viele auch erst der Impuls zu sein scheint, sich (wieder) mit Politik auseinanderzusetzen, wächst das Gefühl, Dinge selber in die Hand nehmen zu müssen, weil „die Politik“ die eigenen Interessen nicht mehr zu vertreten scheint. Besonders die sozioökonomisch besser gestellten Profiteure einer bis dato nie gekannten Bildungsexpansion melden sich zu Wort. Kaum ein Infrastrukturprojekt, dem sich keine Bürgerinitiative als Konterpart gegenüberstellt. Aus dieser Gesamtsituation ergeben sich ganz konkrete Repräsentationsdefizite: Während die gewählten Institutionen dem Gemeinwohl verpflichtet sind, kämpfen die Bürgerinitiativen für zumeist strategisch motivierte Partikularinteressen. Das ist vollkommen legitim in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft, wird aber gefährlich, wenn ihnen alleine die Deutungshoheit überlassen wird. Verzerrungen zeigen sich in der medialen Repräsentation dieser Diskurse. Mobilisierungsfähige Initiativen nutzen die publizistischen Möglichkeiten des Internets, um ihre Positionen zu verbreiten. Hinzu kommt, dass sie sich auch in den journalistischen Medien Gehör verschaffen: Die kampagnenartigen Inszenierungsmuster vieler Initiativen, die das Narrativ von David und Goliath bedienen, passen ihre Dramaturgie ideal an die Erfordernisse des aktuellen journalistischen Betriebs an. Starke Bilder und Skandalisierungen helfen auch den Massenmedien in ihrem Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers. Langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse widersprechen jedoch der medialen kurzlebigen Darstellungs- und Aufmerksamkeitslogik einer Gesellschaft, deren Erregungsspannen immer kürzer und heftiger zu werden scheinen. Gefragt wäre hingegen viel mehr eine fundierte, auch (aber nicht nur) journalistisch begleiteten, gesellschaftliche Debatte über den Industriestandort Deutschland und die zu akzeptierenden Einschränkungen Einzelner im Interesse der Fortentwicklung eines ganzen Landes.

Das Buch „Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft“ will einen Beitrag zu diesem Diskurs leisten, indem es die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse analysiert und die betroffenen Akteure zu Wort kommen lässt. Die Autoren schildern, auch anhand konkreter Fallbeispiel, wie sie sich den gesellschaftlichen Erwartungen stellen, die an sie herangetragen werden und mit denen sie sich – ob sie wollen oder nicht – auseinandersetzen müssen.

Das Buch „Akzeptanz in der Medien- und CoverAkzeptanzbuchProtestgesellschaft. Zur Debatte um Legitimation, öffentliches Vertrauen, Transparenz und Partizipation, herausgegeben von Günter Bentele, Reinhard Bohse, Uwe Hitschfeld und Felix Krebber, ist im Verlag Springer VS, Wiesbaden erschienen. Es hat 405 Seiten und kostet 39,99 €. In vielen Bibliotheken ist es über SpringerLink digital verfügbar.

Foto: Symbolbild, CC0/Pixabay

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